Unsere Autorin hatte mit Reisen nie viel am Hut. Doch immerhin soll regelmäßiges Urlaubmachen gesund sein und sogar unser Leben verlängern. Zeit, es auszuprobieren …
Text: Sabrina Waffenschmidt
Fotos: Erik Dungan, Benjamin Voros, Jonathan Taylor
Reisen war mir immer egal. Unpopular Opinion, ich weiß. Erweitert Reisen doch unseren Horizont wie wenig anderes. Doch schon als Kind bin ich nur selten mit der Familie in den Urlaub gefahren. Drei Mal, um genau zu sein. Das Geld war knapp, stattdessen gab es eine laminierte Saisonkarte fürs Freibad. Meine Sommer habe ich wahlweise dort oder im großen Garten meiner Oma verbracht. Ich war glücklich damit. Mir hat das Urlaubmachen nie gefehlt.
Ankommen statt wegfahren
Ich bin erwachsen geworden und habe es weiterhin so gehalten. Das Konzept Jahresurlaub habe ich nie ganz kapiert. Versteht mich nicht falsch, auch ich kam ein bisschen rum: vier Monate Backpacking-Reise durch Australien nach dem Abi, zehn Tage New York nach dem Masterabschluss, ein knappes Jahr als Freiberufliche auf Mallorca, hier und da ein paar kleinere Trips. Doch meistens mochte ich es viel mehr, wieder zu Hause anzukommen, als unterwegs zu sein. Noch dazu fehlte mir als Single häufig ein:e Go-To-Reisepartner:in. Viele meiner Urlaubstage habe ich also auch weiterhin in der süddeutschen Heimat im Garten meiner Oma verbracht. Das schien einfach und gut genug.
Urlaub ist wie Medizin – er wirkt

Urlaub ist gesund für Körper und Psyche:
Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol gehen zurück. Der Blutdruck geht runter. Die Muskeln lassen los. Der Schlaf wird besser. Studien zeigen sogar, dass regelmäßiger Urlaub uns länger leben lässt. Das gilt zwar auch für den Urlaub zuhause aber ein Ortswechsel hilft uns dabei, besser abzuschalten – der Erholungseffekt ist meist größer. Auch die recht junge Disziplin Reisetherapie zeigt: Reisen ist kein Allheilmittel, kann aber durchaus therapeutisch wirken. Wir kommen unterwegs gut mit uns selbst in Kontakt und lernen unsere Grenzen und Bedürfnisse besser kennen. Den Höhepunkt der Entspannung erreichen die meisten übrigens nach sieben bis zehn Tagen.
Erst seit Kurzem wird auch mein Reisebedürfnis immer größer. Vielleicht ist es eine Midlife-Sache, vielleicht liegt es daran, dass der Alltag mit Vollzeitjob am Schreibtisch vor allem aus Morgen und Abenden und viel zu kurzen Wochenenden besteht. Homeoffice tut sein Übriges: Abschalten fällt zuhause jetzt gar nicht mehr so leicht. Jedenfalls will ich raus, muss es sogar!
Reiselust entfacht
In fünf Tagen fliege ich mit Freund:innen nach Thailand. Für drei Wochen. Der Hund bleibt zuhause. Es ist meine erste Fernreise seit mehr als zehn Jahren, es ist der längste Urlaub meines Berufslebens. Und ich könnte mich nicht mehr darauf freuen! Ich kann es kaum erwarten, etwas anderes zu sehen und nicht bis zur nächsten Deadline, sondern maximal bis zum nächsten Cocktail zu denken. Meine Freundin hat die komplette Reiseplanung übernommen (wie viel Glück kann man haben!), und im Gegensatz zu meinen Freundinnen mit Kindern, die oft noch erschöpfter als zuvor aus dem Urlaub zurückkommen, kann ich jeglichen Mental Load hinter mir lassen. Und wer weiß, vielleicht komme ich ja auf den Geschmack.
5 Tipps für mehr Erholung –
vor, während und nach dem Urlaub

- Zeitpuffer einplanen: Am besten hält man sich einen Tag vor und einen nach der Reise für Vor- und Nachbereitungen frei. So startet man nicht nur entspannter in den Urlaub, sondern auch die Rückkehr zur Arbeit gelingt leichter – und der Erholungseffekt dauert länger an.
- Erwartungen abgleichen: Ob als Paar, Gruppe oder Familie – im Urlaub kracht es überdurchschnittlich oft. Schuld daran sind häufig unterschiedliche Erwartungen. Es hilft, vorab darüber zu sprechen: Warum fahren wir in den Urlaub? Was erwarte ich von der Reise? Will ich einfach nur runterfahren oder etwas erleben? Und: Auch bei gemeinsamen Reisen ist es okay, auch mal etwas getrennt zu machen!
- Urlaub mit Kind: Es entspannt massiv, in ein kinderfreundliches Land bzw. Hotel zu fahren. Wenn das Kind in Italien quengelt, stört sich dort kaum jemand daran. Und je mehr das Kind im Urlaub mitbestimmen darf, desto eher trägt es Entscheidungen mit.
- Post-Holiday-Syndrom vermeiden: Viele Menschen plagt nach dem Urlaub ein regelrechtes Motivationsloch. Das sogenannte Post-Holiday-Syndrom ist völlig normal – und nichts anderes als ein Umschalten vom Urlaubs- in den Arbeitsmodus, der unserem entspannten Körper schwerfällt. Legt euch am besten keine wichtigen Termine in die ersten Arbeitstage. Außerdem hilft es, den Urlaub so zu planen, dass man in der Wochenmitte zurückkommt. Das verkürzt die erste Arbeitswoche. Ansonsten: Ruhig mal ein paar Pausen mehr als sonst einbauen und schöne Ausflüge oder Verabredungen planen!
- Urlaub zuhause: Nicht bei allen ist verreisen drin, etwa weil Zeit oder Geld fehlen. Man kann auch zuhause entspannen, aber das braucht etwas Selbstdisziplin. Denn häufig lassen wir uns doch dazu verleiten, die Abstellkammer auszumisten, den Papierkram zu sortieren oder endlich mal das Fahrrad zu reparieren. Besser: Den Alltag bewusst gestalten und etwa Tagesausflüge vornehmen.
Pointierte Urlaubslektüre über die Fallstricke des Online-Datings
Isobel Markus:
„Dating-Roman”
Zwei Freundinnen, Mitte 40, die Kinder aus dem Haus, begeben sich gemeinsam in die skurrile Welt des Online-Datings. Isobel Markus gibt Einblicke in die emotionalen Höhen und Tiefen des Datings, der Suche nach „dem Anderen“ und dem Ich, verrät aber auch alles über Phänomene wie Date-Stalking, Benching, Ghosting, Sneating, Haunting und Breadcrumbing in der Kluft zwischen Digitalität und realer Welt, die nicht bizarrer, aber auch nicht menschlicher sein könnte.
mikrotext, 25 Euro.


