Die Wechseljahre sind eine Phase großer Veränderungen – körperlich und emotional. Viele Frauen bemerken in dieser Zeit, dass ihr Schlaf gestört ist. Tatsächlich klagen etwa 50 Prozent der Frauen über Ein- oder Durchschlafprobleme während der Wechseljahre. Aber warum ist das so?
Interview: Franziska Lehnert
Progesteron, das sogenannte Gelbkörperhormon, spielt eine entscheidende Rolle“, erklärt Prof. Dr. Kneginja Richter, Chefärztin der Curamed Tagesklinik Nürnberg und Professorin an der Technischen Hochschule Nürnberg. „Dieses Hormon hat eine beruhigende, schlaffördernde Wirkung. Wenn in den Wechseljahren weniger Progesteron freigesetzt wird, kann das zu Schlafproblemen führen.“ Doch Progesteron ist nicht das einzige Hormon, das unseren Schlaf beeinflusst. Auch ein niedriger Östrogenspiegel trägt zur Problematik bei.
Neben den hormonellen Veränderungen kommen oft weitere Faktoren hinzu. Stress, belastende Lebensumstände wie das Empty-Nest-Syndrom – das Gefühl der Leere, nachdem die Kinder ausgezogen sind, – oder berufliche Veränderungen verstärken die Schlafprobleme. „Der Hormonmangel ist oft nur der Auslöser“, betont Prof. Richter, „die eigentliche Ursache sind häufig Gedankenspiralen und falsche Verhaltensweisen im Bett.“
„Östrogenmangel kann die Tiefschlafphase verkürzen und Nachtschweiß begünstigen.“
| Neben den hormonellen Veränderungen kommen oft weitere Faktoren hinzu. Stress, belastende Lebensumstände wie das Empty-Nest-Syndrom – das Gefühl der Leere, nachdem die Kinder ausgezogen sind, – oder berufliche Veränderungen verstärken die Schlafprobleme. „Der Hormonmangel ist oft nur der Auslöser“, betont Prof. Richter, „die eigentliche Ursache sind häufig Gedankenspiralen und falsche Verhaltensweisen im Bett.“ |
| Wie Frauen Schlafstörungen vorbeugen können |
| Die gute Nachricht: Schlafstörungen in den Wechseljahren müssen kein Dauerzustand sein. Mit der richtigen Herangehensweise lässt sich viel bewirken. „Wenn Frauen merken, dass sie länger brauchen, um einzuschlafen, oder nachts häufiger aufwachen, ist es wichtig, frühzeitig gegenzusteuern“, rät Prof. Richter. „Damit lässt sich verhindern, dass Schlafstörungen chronisch werden.“ |

Prof. Dr. med. Kneginja Richter ist eine der führenden Schlafexpertinnen in Deutschland: Sie leitet das wissenschaftliche Komitee der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin und behandelt als Chefärztin in der auf Psychosomatik und Schlafstörungen spezialisierten CuraMed Tagesklinik Nürnberg. An der Technischen Hochschule Nürnberg und an der Paracelsus Medizinische Universität in Nürnberg ist sie regelmäßig in Lehre und Forschung tätig.
Tipps für besseren Schlaf:
- Sorgen bewusst aus dem Schlafzimmer verbannen.
- Vor dem Einschlafen entspannende Aktivitäten wie Lesen. Wenn man nicht auf den Fernseher verzichten kann, dann am besten leichte Serien oder Filme schauen.
- Nachts den Blick auf die Uhr meiden, um Stress zu reduzieren.
- Tagsüber regelmäßig Entspannungsübungen wie Yoga oder Meditation durchführen.
- Bei Bedarf Melatonin als Einschlafhilfe verwenden (in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt).
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Wenn die Schlafprobleme anhalten, sollten Frauen ärztlichen Rat einholen. „Es ist wichtig, organische Ursachen auszuschließen, wie Schilddrüsenprobleme oder Schlafapnoe“, erklärt Prof. Richter. Auch Hormonersatztherapien können in bestimmten Fällen eine Lösung sein. Vor allem empfiehlt sie Verhaltenstherapien, um Gedankenspiralen zu durchbrechen: „Schon vier bis sechs Sitzungen können einen großen Unterschied machen.“
Bei der kognitiven Verhaltenstherapie analysiert man gemeinsam mit einem Therapeuten oder einer Therapeutin die eigenen Schlafgewohnheiten und bespricht Strategien, um sie zu verbessern: Ungesunde Verhaltensmuster werden erkannt und in neue, gesunde umgewandelt. Außerdem lernt man Maßnahmen kennen, die Schlafstörungen vorbeugen können – und einem helfen, wenn man nachts mal wieder wach liegt.
Unser Buchtipp
Wie kommt man schlechtem Schlaf auf die Schliche? Wie schlummert man auch in stressigen Zeiten tief & fest? Schlafexpertin Prof. Dr. Kneginja Richter beantwortet 99 Fragen über die Geheimnisse des Schlafs. Ihr Versprechen: Gegen Schlafstörungen können wir etwas tun – wenn wir sie ganzheitlich angehen.

Weniger als fünf Stunden Schlaf pro Nacht erhöhen das Risiko für chronische Krankheiten und beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit.
Quelle: Ärzteblatt

