Starke Psyche in den Wechseljahren

Von himmelhochjauchzend zu stinksauer: Stimmungsschwankungen zählen zu den häufigsten Begleiterscheinungen in den Wechseljahren.

Text: Carolin Binder
Foto: Point Normal

3 SOS-Tricks zum Runterkommen in herausfordernden Situationen
Vorweg: Klassische Entspannungsmethoden wie Yoga oder Progressive Muskelentspannung sind generell super zur Stressprävention, sie machen weniger durchlässig für Stress. „Im akuten Hochstress helfen sie aber meistens nicht mehr, um die hochschießenden Gefühle zu reduzieren – dafür müsste man jeden Tag üben und top trainiert sein“, erklärt Resilienz-Expertin Dr. Elisabeth Rauh. „Im Gegenteil: Das Beruhigende, Entspannende ist einfach nicht synchron zu dem, was man gerade erlebt, es macht sogar eher aggressiv.“ Effektiver sind folgende Tipps:

1
SOS-Trick: Zählen
„Wenn man merkt, dass man in eine akute Anspannungssituation gerät, sieht man sich im Zimmer um und überlegt, was man zählen kann“, empfiehlt die Expertin. Egal, ob es die Bücher im Regal sind, die Stuhlbeine, die Knöpfe der hemdtragenden Personen oder die Blätter der Büropflanze. Hauptsache zählen, zählen, zählen – das Gehirn kann sich nur auf eine Sache konzentrieren, der Fokus verändert sich dadurch, die Stress auslösenden Gedanken werden umgelenkt.

2
SOS-Trick: Gemeinsamkeiten finden
Das Szenario: Ein Job-Meeting, es gibt Konflikte, der Ton wird aggressiver. „In solchen Situationen ist es sinnvoll, schnell Gemeinsamkeiten mit seinem Gegenüber zu suchen, um zu merken, dass es Dinge gibt, die verbinden“, so Elisabeth Rauh. „Es können absolut simple Sachen sein wie: Wir haben beide schwarze Schuhe an, wir sind in einem Raum, wir haben beide Kinder.“ Das sorgt dafür, wieder einen differenzierteren Blick zubekommen und erschwert das schwarz-weiß-Denken, das typisch ist bei großem Stress.

3
SOS-Trick: Im Lieblingsduft abtauchen
Gerüche können uns in Augenblicken in eine andere Stimmung versetzen, sie wirken ohne Umwege über das Großhirn direkt auf das limbische System, steuern unbewusst unsere Emotionen. Das kann man sich in schwierigen Situationen zunutze machen – gerade, wenn man selbst wenig Handlungsspielraum hat. „Wir lächeln vieles einfach weg, was uns verletzt, enttäuscht oder aufregt, machen ‘false display’, lassen uns äußerlich nichts anmerken“, sagt Rauh. Dann sei es empfehlenswert, seinen Lieblingsduft dabei zu haben, kurz rauszugehen, ihn aufzusprühen und abzuatmen. „Und dann zurückgehen und weiterlächeln.“ Durch den Dufteinsatz löst sich die starke innere Anspannung – wir können ruhiger weitermachen.


Unsere Expertin: Dr. Elisabeth Rauh ist Chefärztin im Fachzentrum für Psychosomatik der Schön Klinik Bad Staffelstein


Etwa 80 % der Frauen in Deutschland erleben während der Wechseljahre Beschwerden.

Quelle:  Deutsche Menopause-Gesellschaft


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